Wer in Schweden einen Hof kauft, kauft das Jagdrecht mit. Es gehört dem Eigentümer des Bodens, nicht einem Verein und nicht der Gemeinde (Jaktlagen 1987:259, 10 §). Wie viel dieses Recht wert ist, hängt aber weniger an den eigenen Hektar als an einer Frage, die viele deutsche Käufer erst nach dem Kauf stellen: Gehört der Hof zu einem Viltvårdsområde, und wie jagt man dort?
Zwei Jäger aus Nordrhein-Westfalen kaufen gerade bei uns einen Hof in Västerbotten. Der Hof selbst hat überschaubare Fläche. Gejagt wird aber in einem Viltvårdsområde von rund 2.000 Hektar. Genau das hat den Ausschlag gegeben. Dieser Artikel erklärt, warum.
Was ist ein Viltvårdsområde?
Ein Viltvårdsområde (VVO, wörtlich „Wildpflegegebiet") ist ein Zusammenschluss mehrerer Grundstücke zu einer gemeinsamen Hegeeinheit. Grundlage ist das Gesetz über Wildpflegegebiete (Lag 2000:592 om viltvårdsområden). Zweck ist laut 1 §, das Wild über Grundstücksgrenzen hinweg sinnvoll zu bewirtschaften.
Gebildet wird ein VVO durch Beschluss der Länsstyrelsen (Provinzialverwaltung). Dafür müssen mindestens vier Fünftel der Eigentümer zustimmen, die zusammen mindestens vier Fünftel der Fläche besitzen (7 §). Organisiert ist das Gebiet als Verein, die Viltvårdsområdesförening, mit eigener Satzung (stadgar), Vorstand und Jahresversammlung.
Werde ich als Käufer automatisch Mitglied?
Ja. Das Gesetz ist hier eindeutig: Wer eine Fastighet (Grundstück im Grundbuchsinn) besitzt, die zu einem VVO gehört, ist Mitglied (4 §). Du musst nichts beantragen. Du übernimmst dabei auch, was der Verein vor deinem Kauf beschlossen hat (6 §), etwa Gebühren oder eine laufende Jagdordnung.
Austreten kannst du nicht einfach. Die Länsstyrelsen kann ein Grundstück nur herausnehmen, wenn es für das Gebiet keine wesentliche Bedeutung hat (33 §). Wer einen Hof in einem VVO kauft, kauft die Mitgliedschaft also auf Dauer mit.
Wie wird im VVO gejagt?
Grundsätzlich jagt jeder Eigentümer weiter auf seinem eigenen Grund. Der Verein darf das nur einschränken, wenn die Satzung es vorsieht (22 §). Dann gibt es zwei Formen:
- Områdesjakt (Gebietsjagd): Gejagt wird ohne Rücksicht auf Grundstücksgrenzen im ganzen Gebiet.
- Gemensamhetsjakt (Gemeinschaftsjagd): Gejagt wird nur gemeinsam mit den anderen Mitgliedern.
Das gilt für Elch, Hirsch, Reh und Niederwild (23 §). Bei Bär, Wolf, Luchs, Vielfraß und Wildschwein kann der Verein gemeinsame Jagd anordnen, wenn es zur Schadensbegrenzung nötig ist (24 §). Für die Stimmen auf der Jahresversammlung gilt grundsätzlich: eine Stimme je Grundstück, auf Antrag nach Fläche, und niemand führt mehr als ein Fünftel der vertretenen Stimmen (20 §).
Für dich als neuen Eigentümer heißt das: Mit 20 Hektar Eigentum jagst du unter Umständen auf 2.000 Hektar. Im Gegenzug hältst du dich an die Regeln des Vereins, zahlst seine Gebühren (29 §) und jagst oft im Jagdlag (jaktlag, Jagdgemeinschaft) der Nachbarn mit.
Warum ist das VVO für die Elchjagd so wichtig?
Weil ein einzelner Hof die Mindestfläche fast nie erreicht. Elche darf man in Schweden nur in einem registrierten Gebiet erlegen (Jaktlagen 33 §):
- Licensområde (Lizenzgebiet): muss mindestens ein Kalb pro Jahr tragen. Die Länsstyrelsen legt dafür Mindestflächen fest. In Västerbotten sind es zwischen 250 und 800 Hektar, rund um Umeå und Vindeln 300 Hektar. Die Registrierung kostet 2.300 kr, Antragsfrist ist der 31. Januar.
- Älgskötselområde (Elch-Hegegebiet): muss langfristig mindestens zehn erwachsene Elche pro Jahr tragen.
Wer außerhalb dieser Gebiete jagt, darf nur Kälber erlegen, und zwar nur an den ersten fünf Jagdtagen. In Värmland waren das 2026 der 8. bis 12. Oktober. Ein Hof mit 30 oder 50 Hektar ohne Anschluss hat also praktisch keine Elchjagd. Derselbe Hof in einem VVO, das als Licensområde oder Teil eines Älgskötselområde registriert ist, nimmt an der Zuteilung teil. In Västerbotten wurden für die Saison 2026/27 insgesamt 12.700 Elche freigegeben.
In Värmland muss einem Antrag auf ein Licensområde die Zustimmung der zuständigen Viltvårdsområdesförening beiliegen. Ohne den Verein geht dort bei der Elchjagd wenig.
Was ist das Jagdrecht in Kronen wert?
Eine amtliche Statistik gibt es nicht. Die Bewertungsfirmen nutzen Pachtpreise intern, veröffentlichen sie aber nicht. Was öffentlich ist, zeigt vor allem das große Gefälle zwischen Nord und Süd:
| Region | Jagdpacht je Hektar und Jahr | Quelle |
|---|---|---|
| Västerbotten | ca. 12 kr | Sveaskog, Durchschnitt 2013 |
| Bergslagen (u. a. Teile Värmlands) | ca. 42 kr | Sveaskog, Durchschnitt 2013 |
| Götaland (Südschweden) | ca. 85 kr | Sveaskog, Durchschnitt 2013 |
| Roslagen (bei Stockholm) | ca. 200 kr, Höchstgebot 400 kr | Svensk Jakt 2022 |
Die Zahlen sind alt, die Richtung ist es nicht. Im Norden ist Jagd pro Hektar günstig, weil es viel Fläche und wenige Jäger gibt. Für einen Hof mit 20 Hektar in Värmland ergibt sich daraus ein Pachtwert von wenigen hundert Kronen im Jahr.
Auch der Steuerwert hilft nicht weiter. Das Taxeringsvärde (steuerlicher Grundstückswert, etwa 75 % des Marktwerts) setzt sich aus Wald, Acker und Gebäuden zusammen. Die Jagd erscheint auf der Seite des Skatteverket nicht als eigener Posten.
Der eigentliche Wert für einen deutschen Jäger liegt deshalb nicht im Pachtwert der eigenen Hektar. Er liegt im Zugang: Ein Hof in einem gut geführten VVO öffnet ein Revier, das du als Pächter in Deutschland kaum bekommst. Zum Vergleich: Waldboden kostete 2025 in Nordschweden im Schnitt 343 kr je Kubikmeter Holzvorrat (m³sk), in Mittelschweden 576 kr und im Süden 898 kr (Ludvig & Co). Je Hektar lag der Landesdurchschnitt bei 92.000 kr, in Norra Norrland bei 42.700 kr (Skogsstyrelsen).
Kann der Verkäufer sich das Jagdrecht vorbehalten?
Ja, das kommt vor. Ein Vorbehalt im Kaufvertrag ist rechtlich ein Nutzungsrecht (nyttjanderätt) des Verkäufers am verkauften Grund (Jordabalken 7 kap.). Es kann bis zu 50 Jahre oder auf Lebenszeit laufen (7 kap. 5 §). Für dich als Käufer heißt das: Du zahlst für den Hof, jagst aber nicht selbst.
Lies deshalb im Kaufvertrag genau, ob „jakträtt" vorbehalten wird. Steht dort nichts, geht das Jagdrecht mit dem Eigentum auf dich über.
Was passiert mit einer bestehenden Jagdpacht?
Hier liegt eine Falle. Der Grundsatz „Kauf bricht nicht Pacht" gilt in Schweden für Hof- und Wohnungspacht, nicht aber für eine Jagdpacht. Eine Jagdpacht bindet dich als Käufer nur, wenn der Verkäufer sie im Kaufvertrag vorbehalten hat (Jordabalken 7 kap. 11 §) oder wenn sie eingetragen ist oder du von ihr wusstest (7 kap. 14 §).
Läuft eine Pacht weiter, gelten die Kündigungsregeln der Jaktlagen (16 §): Ein Vertrag ab einem Jahr Laufzeit endet nur durch Kündigung spätestens sechs Monate vor Ablauf, sonst verlängert er sich, höchstens um fünf Jahre. Kaufst du im Herbst, kann die nächste eigene Saison also erst in eineinhalb Jahren beginnen. Frag deshalb vor der Unterschrift ausdrücklich nach jedem Jagdpachtvertrag und lass ihn im Kaufvertrag regeln.
Darf ich mein Jagdrecht verpachten oder weitergeben?
Grundsätzlich ja. Die Satzung des VVO kann aber vorschreiben, dass der Verein zustimmen muss (27 §). Ablehnen darf er nur, wenn der neue Jäger zu wenig Fläche im Gebiet hat oder die Übertragung der Hege schadet. Wer seinen Hof später an Jagdfreunde verpachten will, liest diesen Teil der Satzung vor dem Kauf.
Was prüfe ich vor dem Kauf?
Ins Grundbuch wird die Zugehörigkeit zu einem VVO nicht eingetragen. Bekanntgemacht wird die Bildung nur in der Lokalzeitung (38 §). Du musst also selbst nachfragen:
- Bei der Länsstyrelsen: Gehört das Grundstück zu einem VVO? Bitte um den Bildungsbeschluss und die Karte.
- Beim Vorstand des Vereins: Satzung, Gebühren der letzten zwei Jahre, Jagdform (Gebiets- oder Gemeinschaftsjagd), Protokolle der letzten Jahresversammlungen, Regeln für Gastjäger.
- Zur Elchjagd: Ist das Gebiet als Licensområde oder Teil eines Älgskötselområde registriert? Wie hoch war die Zuteilung in den letzten Jahren, und wie wird sie auf die Mitglieder verteilt?
- Im Kaufvertrag: Wird das Jagdrecht vorbehalten? Gibt es eine Jagdpacht, und wird sie übernommen?
- Zum Grundstück: Ist es eine Lantbruksenhet (land- und forstwirtschaftliche Einheit)? Dann brauchst du als Käufer in vielen Gegenden eine Erwerbsgenehmigung (förvärvstillstånd) der Länsstyrelsen.
Wie wir dabei helfen
Wir verkaufen Höfe und Häuser mit Jagdrecht in Värmland und Nordschweden an Jäger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bevor ein Hof bei uns angeboten wird, klären wir, ob er zu einem VVO gehört, wie groß das Gebiet ist und wie dort gejagt wird. Diese Angaben stehen im Exposé, nicht erst im Kleingedruckten.
Was du sonst für die Jagd in Schweden brauchst, von der Jagdkarte bis zum Waffenpass, steht in Jagen in Schweden als Deutscher. Wie der Kauf eines Hauses mit Jagdrecht abläuft, erklären wir in Haus mit Jagdrecht in Schweden kaufen. Höfe mit Jagdrecht gehen bei uns zuerst an die Jagd-Warteliste. Hier kannst du dich eintragen. Unsere aktuellen Objekte findest du unter Häuser und Höfe.
Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Satzungen der Viltvårdsområden unterscheiden sich, im Einzelfall entscheiden Verein und Länsstyrelsen.
Quellen
Jaktlagen (1987:259), 10, 15, 16, 33 §§, riksdagen.se · Lag (2000:592) om viltvårdsområden, riksdagen.se und lagen.nu · Jordabalken (1970:994) 7 kap., lagen.nu · Naturvårdsverkets föreskrifter NFS 2011:7 om älg- och kronhjortsförvaltning · Länsstyrelsen Västerbotten: Älgförvaltning och jaktområden, Älgjakt, „12 700 älgar får fällas" (24.06.2026) · Länsstyrelsen Värmland: Älgjakt, Älgförvaltning och jaktområden · Svensk Jakt: „Sveaskog chockhöjer jaktarrendena", „Chockhöjt arrendepris" · Skogsaktuellt: „Stora skillnader på jaktvärden" · Ludvig & Co: Prisstatistik skog och åker 2025 · Skogsstyrelsen: Priset på skogsmark ökade under 2025 · Skatteverket: Taxeringsvärde lantbruksenhet.
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